hier entsteht die Schwesterseite zu www.SPAXalm.dePosts RSS Comments RSS

Die Frau und ihre Kettensäge

Erin Lavoie hält den Weltrekord im Sportholzfällen. Im Interview spricht sie über Frauen im Männersport, Probleme beim Zoll und eine Axt im Fuß.

image_fmabspic_0_0-1192719936.jpg

 

Keine Frau in der Welt geht so versiert mit Kettensägen und Äxten um wie Erin Lavoie. Die 25-Jährige aus Spokane im Bundesstaat Washington hält sämtliche Rekorde im Sportholzfällen. In den USA ist die Forstwirtin ein Star, in Europa kennt sie kaum einer. Darum ist sie zum Vorsägen nach Deutschland gekommen. Etwa zur Neuen Messe in Stuttgart, die Bundespräsident Köhler letztes Jahr im Oktober eröffnet.

SZ: Wie kommt man darauf, in seiner Freizeit ausgerechnet die Kettensäge anzuwerfen, Miss Lavoie?

 

Erin Lavoie: In Spokane selbst gibt es keinen Wald, aber drumherum richtig viel. Daher kommt es wohl, dass man in Spokane Forstwirtschaft studieren kann, was ich getan habe. Am College wurde als Sport Basketball, Baseball und Holzfällen angeboten. Weil ich das andere langweilig fand, habe ich Lumberjack gewählt. Meiner Mutter habe ich erst nichts davon erzählt, sie hat es aus dem Fernsehen erfahren, als ich die US-Series gewonnen habe. Sie ist ein bisschen ängstlich.

 

SZ: Aber das ist ja auch ein ziemlich gefährlicher Sport, oder?

 

Lavoie: Sehr sogar. Ich habe gesehen, wie andere sich bei Wettbewerben mit der Axt ins Bein geschlagen haben. Kein schöner Anblick, das sage ich Ihnen. Mir ist zum Glück noch nichts passiert. Wenn ich die Kettensäge anwerfe, trage ich immer Ohrenstöpsel. Andere machen das nicht, die sind fast taub. Am liebsten arbeite ich aber mit der Axt. Meine Spezialität: der underhand chop. Da steht man auf einem Baumstamm und spaltet ihn. Ich schaffe das in 29 Sekunden. Das ist Weltrekord.

 

image_fmabspic_0_2-1192719990.jpg

 

SZ: Mit wie vielen Sägen sind Sie nach Deutschland gereist?

 

Lavoie: Warten Sie mal. Also ich habe 15 Äxte dabei in unterschiedlichen Längen und fünf Kettensägen.

 

SZ: Wie reagieren Grenzschützer auf das Waffenarsenal in Ihrem Gepäck?

 

Lavoie: Die Kettensägen machen Probleme. Es ist schon vorgekommen, dass sie am Flughafen konfisziert wurden, und ich einen Wettkampf sausen lassen musste. Diesmal hat aber alles geklappt.

 

SZ: Sie haben 2001 erstmals eine Säge in der Hand gehabt, 2003 wurden Sie weltbeste Holzfällerin. Ziemlich schnell . . .

 

Lavoie: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Das muss ich mir oft anhören, insbesondere von den anderen Lumberjills, wie Frauen bei uns heißen. Die sind oft wuchtig, echte Mannsweiber. Ich bin zierlich und lege Wert darauf, gut auszusehen. Hinter meinem Rücken verbreiten die anderen Frauen, dass ich nur darum so weit gekommen bin. Unsinn! Es kommt nicht auf Kraft an, sondern Technik. Ich habe hart trainiert, um so weit zu kommen.

 

SZ: Wie hart?

 

Lavoie: Jeden Vormittag trainiere ich bis zu fünf Stunden im Fitnesscenter, nachmittags fahre ich raus zu der Firma, bei der ich als Forstwirtin arbeite. Drei bis vier Baumstämme gehen dabei jedes Mal drauf. Weil ich mich auf den Sport konzentrieren will, ruht der Job gerade. Eine Motorsägenfirma sponsert mich. Dazu kommen dann noch die Preisgelder.

 

image_fmabspic_0_3-1192720027.jpg

 

SZ: Wie viel bringt so ein Wettbewerb?

 

Lavoie: Wenn man als Frau ein Turnier mit den unterschiedlichen Disziplinen Sägen und Axtschlagen gewinnt, sind es bis zu 12.000 Dollar. Männer bekommen 30.000 Dollar und oft einen Truck dazu.

 

SZ: Wie sieht es ansonsten aus mit der Gleichberechtigung an der Säge?

 

Lavoie: Geht so. In Australien war ich mal die einzige Frau bei einem Turnier. Da sagte ein älterer Mann zu mir: Geh in die Küche! Am Ende habe ich seine Söhne besiegt, und der Alte hat mir auf die Schulter geklopft. Oft fehlt Respekt. Es passiert immer wieder, dass jemand vor Wettkämpfen meine Sägen manipuliert.

 

SZ: Wie ist die Szene in Deutschland?

 

Lavoie: Bei den Männern gibt es einige Sportler, bei den Frauen so gut wie keine. Darum bin ich hier. Ich möchte ihnen sagen: Hey, ihr könnt eine Motorsäge halten und trotzdem sexy sein. Und ich möchte dafür werben, dass Holzfällen irgendwann einmal olympische Disziplin wird.

 

SZ: Vor Olympia kommt ja noch der Bundespräsident. Horst Köhler weiht am Freitag die Neue Messe in Stuttgart ein, während Sie im Foyer showsägen.

 

Lavoie: Das ist eine große Ehre für mich. Vielleicht schaut er sich ja meine Show an. Ich würde ihm gerne zeigen, wie man richtig mit einer Kettensäge umgeht.

No responses yet

Comments are closed.